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Adwords setzt die Messlatte für Affiliate Landingpages höher

Seit Juni 2010 scheint Google Adwords eine erweiterte Großoffensive gegen Affiliate Landingpages oder sogenannte „Thin Affiliate“ Seiten zu fahren. Das Thema „Thin Affiliate“ gibt es schon seit 2005, doch in den letzten Monaten wurde Google offenbar deutlich besser darin, solche Seiten algorithmisch zu entdecken. Außerdem wurde die Messlatte höher angesetzt. Ein kleiner Ausschnitt möglicher Definitionen für solche Webseiten:

A) Die Ultra Thin Affiliate Page

Hier handelt es sich um eine einzelne Landingpage auf einer möglicherweise noch nicht indizierten Domain. Das heißt der Besucher bekommt keine Hintergrundinfos und wird so schnell wie möglich zum Advertiser weitergeleitet. Typisches Beispiel von früher wäre eine Ringtone Seite auf der die 10 Logos der beliebtesten Carriers anzeigt werden und beim Klick auf eines der Logos landet man bereits auf der Advertiser Landingpage von z.B. Jamba. Hier wird dem Besucher tatsächlich kein Fünkchen Mehrwert geboten.

B) Die Thin Affiliate Page

Dieses Modell beinhaltet in der Regel einen WordPress Blog auf der Startseite. Hier werden unique oder nicht-so-unique Texte veröffentlicht um den Anschein zu vermitteln, dass es sich hier um eine „echte“ Seite handelt. Im Subfolder dann die PPC Landingpage die in der Regel auch so schnell wie möglich zum Advertiser weiterleitet, ohne einen konkreten Mehrwert zu bieten. Beliebte Unterseiten der Landingpage sind eine Kontakt Seite, ein Disclaimer, eine Seite für Datenschutz und natürlich das Impressum. An einer unpopulären Stelle verlinkt man auch noch den Blog auf der Startseite oder einzelne Artikel.

C) Die Affiliate-Vergleichs-Seite
Im Prinzip das gleiche Konzept wie B) nur mit einer Vergleichsseite als Landingpage, die unterschiedliche Angebote untereinander vergleicht. Hier wird ja tatsächlich ein Mehrwert für den Benutzer geboten. Doch mittlerweile gilt auch eine Vergleichsseite bei Adwords als Thin Affiliate Page. Besonders in den letzten Monaten wurden hier etliche Vergleichsseiten in Adwords abgestraft.

Ob die Abstrafung einer C) Seite berechtigt ist, sei mal dahingestellt. Hier spielen sicherlich noch einige andere Faktoren eine Rolle, z.B. um welche Angebote es sich handelt und wie intensiv verglichen wurde. Vergleichsseiten für Usenet Provider oder Ringtones sind z.B. bei Adwords sehr unbeliebt, da die Angebote an sich grenzwertig sind und in der Regel in eine Abofalle münden, auch wenn mittlerweile mehr als offensichtlich auf diesen Umstand hingewiesen wird.

Eine gängige Praxis war damals, die abgestrafte Seite, im Klartext also Qualityscore 1, zu duplizieren. Das heißt einfach den Blog und alle Landingpages auf eine andere Domain schieben, in den meisten Fällen konnte man es sogar im selben Adwords Account lassen. Doch auch hier ist Google aufmerksamer geworden, wenn eine Thin Affiliate Seite abgestraft wurde ist der Adwords Account nun erstmal damit „gebranded“, bei weiteren Vergehen zieht Google schnell die Reißleine und verschickt eine letzte Warnung die z.B. so aussehen könnte:

Letzte Warnung: Für Ihr Google AdWords-Konto liegen mehrere Richtlinienverstöße vor
mit diesem Schreiben teilen wir Ihnen mit, dass Ihr Google AdWords-Konto möglicherweise deaktiviert wird, da mehrere Verstöße gegen unsere Werberichtlinien, einschließlich der Richtlinien zur Zielseite und zur Qualität von Websites, vorliegen. Die folgende Liste enthält Beispiele von angezeigten URLs der Websites, die nicht im Einklang mit diesen Richtlinien stehen. Bitte prüfen Sie die vorhandenen Anzeigen in Ihrem Konto, um sicherzustellen, dass diese mit den Richtlinien übereinstimmen. Beachten Sie, dass dies eine letzte Warnung ist. Bei weiteren Verstößen gegen die Richtlinien zur Zielseite und Qualität von Websites wird Ihr Konto unverzüglich deaktiviert.

  • www.thinurl1.com
  • www.thinurl2.com
  • www.thinurl3.com

Im Zuge unserer Verpflichtung, die Sicherheit und Effektivität von AdWords für unsere Nutzer und Kunden zu gewährleisten, überprüfen wir routinemäßig die Zielseiten, die unsere Kunden über unsere Such- und Content-Werbenetzwerke bewerben. Falls wir feststellen, dass ein Kunde Zielseiten von geringer Qualität übermittelt hat, die nicht unseren Werberichtlinien, einschließlich der Richtlinien zur Zielseite und zur Qualität von Websites, entsprechen, behalten wir uns das Recht vor, Maßnahmen auf Kontoebene zu ergreifen.

Bitte beachten Sie, dass diese Maßnahme mit Websites in Zusammenhang steht, die kürzlich über Ihr Konto beworben wurden. Bei einer Überprüfung Ihres Kontoprotokolls haben wir festgestellt, dass über Ihr Konto mehrere Websites mit schlechter Bewertung der Zielseitenqualität übermittelt wurden. Kunden, die in der Vergangenheit mehrfach Zielseiten von geringer Qualität beworben haben, unterliegen einer möglichen Konten-Deaktivierung.

Interessant wird es bei den erweiterten Spezifizierungen von Thin Affiliate Sites:

* Websites zur Datenerfassung, auf denen kostenlose Artikel angeboten werden, um persönliche Informationen zu sammeln
Also im Prinzip Listbuilding Seiten die z.B. ein kostenloses eBook anbieten um den Benutzer in die E-Mail Liste zu locken, damit man später die passenden Affiliate Angebote versenden kann.

* Arbitrage-Websites ohne relevanten und originär erstellten Content, die ausschließlich zur Schaltung von Anzeigen dienen
Das ist eigentlich schon lange vorbei, vor etlichen Jahren war AdSense Arbitrage über PPC richtig in, doch heutzutage findet man derartige Modelle eigentlich so gut wie gar nicht mehr. Oder nennt sich das heute Postview? *hust*

* Affiliate-Websites ohne relevanten und originär erstellten Content mit dem primären Zweck, Traffic auf Websites einer anderen Domain zu leiten
Trifft so ziemlich die Thin Affiliate Seite A) oder B).

* „Werden Sie reich“-Websites mit unrealistischen Versprechungen
Die typischen Make Money Online Webseiten.

* Betrügerische Websites
Von denen es leider immer noch viel zu viele gibt.

* Websites, die Malware oder Spyware verbreiten
Erklärt sich von selbst.

* Websites mit extrem missverständlichen/nicht nachprüfbaren oder ungenauen Behauptungen
Dazu zählt auch die Aussage „Jetzt kostenlos anmelden“ wenn es sich später doch noch in ein Abo verwandelt.

Wer eine derartige E-Mail von Adwords erhält, sollte schnell handeln und v.a. auf diese E-Mail mit den ergriffenen Maßnahmen antworten. Denn ein Adwords Ban ist vergleichbar mit einem AdSense Ban, es ist nicht einfach ohne neue Identität bzw. Firma hier wieder ein Konto freigeschaltet zu bekommen.

Fakt ist, dass auch Vergleichsseiten in vielen Fällen nicht mehr ausreichen, den Qualitätsstandard von Adwords gerecht zu werden. Trotz dessen, dass hier im Prinzip ein Mehrwert geboten wird. Diese Maßnahmen betreffen überwiegend Affiliate Programme die per Lead vergüten. Bei CPS Programmen ist in der Regel ohnehin mehr zu leisten, z.B. ein gutes Presell Konzept und ein ausführlicher informativer Background. Doch auch hier gibt es Ausnahmen wenn man sich beispielsweise das Gutschein Spektakel in Deutschland ansieht.

Was ist also nötig um auch in Zukunft erfolgreich Lead Programme über Adwords zu bewerben?

  • Seriöse Lead Programme ohne ein automatisches Abo
  • Seiten mit einem guten Maß an Hintergrundinformationen zu dem jeweiligen Angebot
  • Die Seite sollte schon im Google Index sein und etwas Trust vorweisen können
  • Vergleichsrechner oder angebotene Tools die dem Besucher einen tatsächlichen Mehrwert geben. Wie z.B. ein Stromvergleichsrechner oder Tagesgeldrechner
  • Look like a Pro. Kein hingeschmiertes Standard WordPress Design mit gebrochenem Deutsch und einem fetten Call To Action Button der schnellstmöglich zum Advertiser weiterleitet. Das ist übrigens auch ein Conversion Faktor

Generell wird es deutlich schwieriger Lead Programme zu bewerben, da oftmals die Qualität von den Programmen selbst grenzwertig ist. In den USA ist letztes Jahr die Rebill Geschichte gekippt. Es gibt zwar immer noch Leute die damit gut Geld verdienen, doch mittlerweile sind nur noch die Pro’s aktiv, kleinere „Zugaufspringer“ mit „sloppy“ Affiliate Seiten haben keine Chance mehr. Aus diesem Grund haben auch in den USA viele Affiliates wieder angefangen stärker CPS Programme zu bewerben. Doch hier ist in der Regel deutlich mehr Kapital erforderlich. Das Risiko ist größer und der Weg bzw. die Schwierigkeit einer Conversion ist nicht vergleichbar mit der eines Leads.

In diesem Zusammenhang werden natürlich auch alternative Traffic Quellen wieder interessanter. Leider kommen wir in Deutschland was die reine Suche betrifft nicht wirklich an Google vorbei.

Man könnte sich fragen warum Google nun überhaupt auf dieses Geld verzichten möchte, schließlich hat es sie früher auch nicht gestört. Dabei geht es hauptsächlich um die gestiegenen Qualitätsstandards und die Popularität von Adwords bei Merchants. Wenn unerfahrene Online Nutzer auf Google nach etwas Suchen, Adwords Anzeigen anklicken und am Ende in einer Abofalle landen wirkt sich das selbstverständlich auch auf den Ruf von Google aus.

Letztendlich sei noch anzumerken, dass sich Qualität im Affiliate Marketing deutlich besser auszahlt als früher. Wer in solchen Zeiten nicht abgestraft wird und mit seinem Konzept im Rennen bleibt, darf sich über erheblich günstigere Klickpreise freuen.

  • Kann ich leider nur bestätigen. Mir hat Adwords in den letzten 2 Monaten ziemlich viele meiner Kampagnen abgeschossen, überwiegend im Lead Generierungs Bereich. Versuche im Moment mich mehr in Richtung FacebookAds zu entwickeln.

  • Hmmm… was ist den, wenn ich eine reguläre Seite habe, die aber so ähnlich aussieht? Also z.B. eine Seite die nichts anderes als ein Login hat, weil man den Rest eben erst nach dem Login sieht. Ansonsten ist es aber eine normale Seite ohne Affiliate Links.

  • Sehr schöner Post. Als nicht SEMler denkt man gar nicht, dass es immer soviel zu beachten gibt 😉

    Letztendlich aber sicherlich ein guter Schritt für alle, die sich eh mehr Mühe geben.

  • Horst, du läufst auf jedenfall Gefahr abgestraft zu werden. Es bietet sich immer an, eine Infoseite zu generieren die den Besucher über den Dienst informiert. Wer loggt sich denn bei dir ein bzw. registriert sich wenn er gar nicht weiß um was es geht? Genauso wird Adwords dich abstrafen wenn nicht klar erkennbar ist um was es sich bei dir handelt.

    Ein gutes Beispiel für so eine Infoseite ist z.B. twitter.com.

  • Irgendwie wirkt das Vorgehen auf mich sehr willkürlich. Weißt du ob es diesbezüglich schon rechtliche Schritte gibt, z.B. im Hinblick auf das Ausnutzen einer marktbeherrschenden Stellung? Ähnlich der Klage von ciao bzgl. organischem Ranking.

  • Hallo, ich bewerbe auch einige Affiliate Sites mit Adwords. Neben Informationen und Begriffserklärungen zum Thema biete ich auch einen selbst entwickelten Tarifsrechner der mehr als 400 Tarife der Branche nach Preis und durch Formulare getätigte Eingaben abklopft. Ich selbst halte die Webseite für einen echten Mehrwert und bin damit bisher nur positiv gefahren.

    Ich persönlich finde es gut, dass den billigen hingeklatschten Affiliate Sites so langsam der Hahn abgedreht wird. Wobei ich Affiliate Sites, wenn auch nur mit einem statischen Tabellenvergleich, je nach Gesamteindruck seitens Google nicht „abstrafen“ würde.

  • Hallo!

    Sehr interessanter Artikel! Bestätigt mich in meiner Entscheidung schon eine Weile auf AdWords zu verzichten, wird meiner Meinung nach immer schwieriger echt profitable Anzeigen dauerhaft zu schalten! Wird mir zu kompliziert, zu teuer, zu undurchschaubar – Google wird immer besser, aber auch immer teurer! Vor allem als „Nicht-Profi“ sehr schwer hier effektiv zu werben!

    Danke und viele Grüße
    Christian

  • Eindeutig Kundentrennung und Google verteilt da Marktanteile!

    Nur noch die grossinvestoren bleiben im Rennen , während die kleine sich mit social ads über Wasser halten müssen.

    Was ist dann mit Citydeal, groupon etc pp ?

    Diese Seiten leben von genau diesen Adwords Anzeigen und wollen gleich beim Eintritt der Seite eine Email addy haben!

  • Hallo Andreas,

    ich hatte so eine kleine nette Seite zum Thema Kinderspielzeug, die zwar nur zu Amazon gelinkt hat, aber andererseits das grosse Angebot etwas geordnet hat. Die Seite hat im letzten Jahr auch ganz gut funktioniert, bis im July auf einmal der Quality Score von 10 auf 1 durchgesackt ist.
    Erschreckend ist jedoch wenn man sich die Wettbewerber ansieht (die grossen), bei denen die Adwords Kampagnen auf LP zielen, wo weder der Suchbegriff noch das eigentliche Produkt vorkommt … aber das scheint Google noch zu tolerieren bzw. nur über die Kosten zu bestrafen.

    Anyhow, Grüssle

    Consti

  • …das erklärt Einiges.. 😉

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